Vieles, was in der konventionellen Imkerei erlaubt ist, dürfen wir Bio-Imker nicht. Zu recht! Denn die Biene als auch der Mensch haben sich nichts anderes als pure Natur verdient.

Konventionell, biologisch oder biodynamisch?

Der gar nicht so feine Unterschied macht’s aus.

Wenn man richtig guten Honig machen möchte,
müssen Mensch, Natur und Tier zusammenhalten.

Uli Koller

Bis vor 80 Jahren war Bio noch das Normal, und die aufkommenden Spritzmittel und Kunstdünger die Neuheit! Jetzt ist der Einsatz von Pestiziden Alltag und Bio wird uns als die Innovation verkauft.
Nein, besinnen wir uns wieder auf unsere Wurzeln, auf die ureigenste Verbindung von Mensch und Natur. Arbeitet man mit Bienen, erfährt man direkt wie wichtig es ist, eine Symbiose mit der Natur einzugehen. Sich in den Kreislauf einzufügen und nicht mehr zu entnehmen als man wieder zurückgeben kann.

Streng genommen kann Honig nicht bio sein.

faszinierende Fakten über bienen

Konventionell, biologisch oder biodynamisch?
Diese drei Ansätze der Bienenhaltung haben eines gemeinsam. Die Bienen fliegen die selben Ziele an. Anders als in der herkömmlichen Landwirtschaft können wir in der Imkerei das eigentliche Produkt, den Honig, nicht als Bio anpreisen. Denn, wir haben schlichtweg keinen Einfluß darauf ob unsere Bienen die Bio-Sonnenblumen des Nachbarn, oder eine Straße weiter den gespritzten Raps anfliegen um Nektar nach Hause zu bringen.

Wo also ist nun der Unterschied, wenn nicht im Honig?
Imkerei ist viel mehr als nur Honigernten, genau genommen betrifft das genau ein, zwei Tage im Jahres. Es kommt eben auf die verbleibenden 364 Tage an, und da ergeben sich gehörige und eklatante Unterschiede. Und eben auf die feinen Unterschiede möchte ich eingehen – wenn auch die Unterschiede alles andere als fein zu uns Menschen und den Bienen sind.


Vergleich der einzelnen Betriebsweisen
(weitere Details und Infos gibt es dann unter der Tabelle)

konventionelle ImkereiBIO (EU-Richtlinien) Demeter
Standortekeine Regelungenbevorzugt ökologisch bewirtschaftete oder natürliche Flächenbevorzugt biodynamische, ökologisch bewirtschaftete oder natürliche Flächen. Versorgung eines jeden Volkes mit Pollen und Nektar muß gewährleistet sein
BeutenHolz- und Styroporbeuten, Plastik, chemische Farbanstrichehauptsächlich natürliche Materialienhauptsächlich natürliche Materialien
Absperrgittererlaubterlaubtnicht erlaubt
VermehrungBrechen von Weiselzellen, Umlarven, künstliche Besamung, Belegstellen-Begattung, „Abdrücken“ alter, unproduktiver KöniginnenKünstliche Königinnenzucht, künstliche Völkerteilung, wobei der natürliche Schwarmtrieb genutzt werden solltenur aus dem Schwarmtrieb, Schwarmvorwegnahme und Kunstschwärme sind erlaubt
Königinnenzuchtkünstliche Zucht inkl. instrumenteller Besamung, Beschneiden der FlügelStandbegattung der Königin.
kein Beschneiden der Flügel
nur aus dem Schwarmtrieb heraus.
keine Zucht, Besamung und Beschneidung der Flügel
Zukaufkeine RegelungenZukauf aus Bio-Haltung, max. 10% konventionelle Königinnen und SchwärmeKein permanenter Völkerzukauf, wenn dann nur aus Demeter-Haltung
WabenbauMittelwände auch aus Kunststoff, unkontrollierter Wachsaustausch mit Vielzahl an HobbyimkerMittelwände aus Bio-Wachs im Brut- und HonigraumNaturwabenbau im Brutraum, Mittelwände aus Demeter-Wachs im Honigraum
Fütterungkeine Regelungen, Zucker aus dem Supermarkt, Futterteig mit und ohne Zusätze, PollenersatzstoffeWenn möglich Verzicht auf Fütterung, Bio-Zucker, Pollenersatzstoffe sind erlaubtEinwinterung auf mind. 10% eigenem Honig.
Bio-Zucker, Bio-Kamillentee und Salz. Keine Pollenersatzstoffe
Varroabekämpfungkeine Regelungen, Organische Säuren und Varroazide (Medikamente)organische Säuren, Schwefel, zugelassene Thymol-Präparateorganische Säuren, biotechnische Maßnahmen
(wie zB. Brutentnahme und Kunstschwarmbildung)
HMF-Gehaltmax. 40mg/kgmax. 40mg/kgmax. 10mg/kg
(je niedriger, desto naturbelassener der Honig)
Honiglagerungkeine RegelungenEdelstahl, Kunststoff bei AusnahmenEdelstahl, Gläser
(Abfüllung schon vor dem ersten Festwerden)
Honigtemperaturkeine Regelungenmax. 40 Grad °Ckeine Erwärmung über 35 °C (Stocktemperatur)
Wassergehaltmax. 20 %max. 20 %max. 18 %
Etiketten-Hinweis: Es werden auch nicht Bio-Flächen von den Bienen angeflogen.
Tabelle: Stand März 2021

Fliegt bis zu 3 Kilometer weit auf der Suche nach Nektar.

FASZINIERENDE FAKTEN ÜBER BIENEN

Wir Imker entscheiden mit der Auswahl der Standorte schon mal ganz ordentlich, was und welche Qualität, die Bienen in Ihren Stock bringen. Nutze ich meine Wiese, selbst wenn das Industriegebiet angrenzt, die Mülldeponie vor sich dahin müffelt oder der Autobahn-Knoten in Reichweite liegt? Oder stelle ich meine Völker in Landschaften mit bunter Vielfalt, Felder und Wiesen? Gar nicht so einfach den richtigen Platz zu finden, denn Bienen fliegen auf Ihrer Suche nach Nektar bis zu 3 Kilometer weit.


Zieht freiwillig in kein Haus aus Plastik.

FASZINIERENDE FAKTEN ÜBER BIENEN

Dass die Biene von Natur aus in keine Beuten aus Plastik und Styropor zieht, sondern den hohlen Baum bevorzugt, scheint einleuchtend. Warum dann immer noch Kunststoff als Basis für den Bienenstock verwendet wird, ist leicht erklärbar. Der Imker soll nicht schwer heben, und die Bienen sollen es im Winter kuschelig warm haben, und am besten ganz wasserdicht. Dafür sorgt dann auch noch der altbewährte Lack. Wer erinnert sich noch an die gelben Regenmäntel aus unserer Kindheit, die wegen dem Kondenswasser innen ganz toll an der Haut klebten?


Die Königin ist um die Hälfte größer als eine Arbeiterin.

FASZINIERENDE FAKTEN ÜBER BIENEN

Wir Imker lieben Waben voller Honig! Doch wehe wenn die Königin ihre Brut in unser süßes Objekt der Begierde legt, dann kommen wir mit einem Absperrgitter. Der Abstand der Stäbe und die Größe der Königin verhindern, dass sie sich in ihrem eigenen Haus frei bewegen kann, wie eine Mutter nach ihrem Volk sieht und sich vergewissert, dass es allen gut geht.


Zieht das Volk aus, feiert es seinen ersten Geburtstag.

FASZINIERENDE FAKTEN ÜBER BIENEN

Die Biene hat die letzten 100 Millionen Jahre wunderbar überlebt, man kann also ruhig daraus schließen, daß sie in Punkto Vermehrung nicht wirklich Nachhilfe benötigt. “Doch”, meint die konventionelle Zucht und erklärt dem Insekt, wie das mit den Blumen und den Bienen funktioniert. Schwärmt dabei gar nicht für das Schwärmen – der Geburt eines Volkes.


Drohnen haben keinen Vater, nur Großväter.

faszinierende Fakten über Bienen

Die genetische Vielfalt ist eines der Wunder des Bienenstocks. So lässt sich eine Prinzessin beim Hochzeitsflug von dutzenden Drohnen zur Königin machen. Die Königinnenzucht sucht der Prinzessin aber einen Göttergatten aus, möchte Charakter und Aussehen bestimmen. Sollte die Prinzessin einen eigen Willen haben und selbst auf Bräutigamschau fliegen, werden ihr schon mal die Flügel gestutzt um sie daran zu hindern.


Viele Imker laufen lieber dem Schwarm hinterher, als dem Postler.

faszinierende Fakten über Bienen

Wer ein neues Volk benötigt, hat die Qual der Wahl. Der Zukauf ist eine Option, die Lieferung kommt dann mit der Post oder man holt sich ein Volk beim Züchter ab. Nicht jedem ist wichtig woher die Bienen stammen, Hauptsache sie summen. Doch auch die Herkunft spielt eine Rolle und sagt viel über den Charakter des Volkes aus. Daher setzen viele Imker lieber direkt auf den Großhändler Natur, und machen sich auf die Suche nach einem Schwarm. Am besten aus den eigenen Reihen.


Fast wurde die Wabenzelle zur Grundlage des Längenmaßes.

faszinierende Fakten über Bienen

Der Wabenbau ist Kinderstube und Gedächtnis eines Bienenvolks zugleich. Da ist es umso wichtiger, dass die Wiege der neuen Generation jungfräulich rein, frei von jeglichen Giften, Verunreinigung und Recycling-Ambitionen des Imkers ist. Was die Bienen in Millionen von Jahren perfektioniert hat, braucht auch nicht wirklich verbessert zu werden. Auch nicht durch Plastik! Bienen schwitzen das Wachs aus 8 Hinterleibsdrüsen, bauen aus einem Hauch von Nichts faszinierend stabile Gebilde die selbst bei einer Materialstärke von 0,3 Millimeter tausende Bienen und mehrere Kilogramm an Honig halten können.


Die Königin lässt sich Ihr ganzes Leben lang füttern.

faszinierende Fakten über Bienen

Die Biene nascht gerne. Zur Fütterung Ihrer selbst als auch der Brut bringt sie Nektar und Pollen nach Hause. Je bunter und unterschiedlicher, desto besser. Sie liebt die Vielfalt! Schaut es mit dem Angebot mal schlecht aus, dann zehrt die Biene von Ihren Vorräten. Schaut es mit dem Angebot mal richtig schlecht aus bzw. gilt es den Winter zu überdauern, dann helfen wir Imker mit Futter aus. Das ist oft notwendig, weil wir der Biene im Sommer zuvor den Honig abgenommen haben. Manche Imker nehmen alles, andere nur den Überschuss – als Miete quasi. Doch was füttern wir der Biene? Das Angebot reicht von Pollenersatzstoffen, raffiniertem Haushaltszucker aus belasteter Landwirtschaft, über konventionelle Zuckersirupe aus Rüben, Mais und Weizen oder einer Mischung (aus Bio-Zucker, Kamillentee und eigenem Honig). Alle Umweltgifte die wir verfüttern, landen auch wieder im Honig. Und der auf unserem Brot.


Varroa. Ein Parasit erobert die Welt am Rücken der Bienen.

faszinierende Fakten über Bienen

Seit Anfang der 80er Jahre ist die Varroabekämpfung Thema, hat die Imkerei gegen einen Parasiten (varroa destructor) zu kämpfen, der weniger durch seine Größe, sondern durch die perfekte Anpassung an das Leben im Bienenstock selbiges der Imker schwer macht. Kurz vor der Verdeckelung der Brut setzt sich die Milbe auf die Larven um an deren Eiweißkörper (in etwa dem Pendant zur menschlichen Leber) zu saugen, schwächt die Gesamtkonstitution der zukünftigen Biene enorm und macht sie anfällig auf weitere Viren. In der Zwischenzeit vermehrt sich die Milbe und kommt dann frisch gestärkt und in größerer Zahl mit der geschlüpften Biene auf die Welt. Anfang behandelte man die Völker noch mit Insektiziden gegen die Varroa, dann mit aggressiven Medikamente (Spuren davon sind vielfach noch im Wachs konventioneller Imkereien zu finden), bevor man die organischen Säuren für sich entdeckte. Klingt schlimm, sind aber Säuren die in der Natur vorkommen (Ameisensäure, Milchsäure, Oxalsäure) und die Milbe auf natürliche Art und Weise bekämpft. Die Dosis macht jedoch das Gift, und so versuchen biologisch arbeitenden Imker den Einsatz der Säuren durch biotechnische Massnahmen (wie zB. Brutentnahme und Kunstschwarmbildung) so weit wie möglich zu verringern.


Für die Biene uninteressant, für den Konsumenten nicht!

faszinierende Fakten über Bienen

Eine geringe Menge an HMF im Honig ist ein Indikator für dessen Frische und Naturbelassenheit. Ein hoher HMF-Wert weist auf länger anhaltende Erwärmung oder Lagerung hin. Der HMF-Gehalt in frisch geschleudertem Honig ist sehr gering und steigt bei korrekter Lagerung um ca. 2–3 mg/kg pro Jahr an. Die EU hat einen HMF-Grenzwert von maximal 40 mg/kg für Honig, der unter europäischen Bedingungen produziert wurde, festgelegt. Da jedoch ein Drittel des importierten Supermarkt-Honig aus nicht EU-Ländern stammt, kann davon ausgegangen werden dass der HMF-Wert bei diesen Honigen um ein vielfaches höher sein kann. Also kauft regional!


Honig sollte tief in’s Glas schauen.

faszinierende Fakten über Bienen

Honig ist bei richtiger Lagerung jahrelang haltbar, doch sollte darauf geachtet werden, dass dies auch schon in den Imkereien in Gläsern geschieht. Kunststoffe geben im Laufe Ihrer Lebensdauer gefährliche Stoffe (Phthalate, Bisphenol A, …) ab, die hormonell wirken, das heißt schon die allerkleinsten Dosen können unser Hormonsystem durcheinander bringen. Besonders Kinder und Schwangere müßen da gut aufpassen.